Wie funktioniert der Beckenboden?


Der Beckenboden arbeitet wie ein Trampolin, das aus einer Membran (Beckenbodenmuskeln) und Federn (Bändern) besteht. Die Federn sind vorne, in der Mitte und hinten am Beckenknochen befestigt. Auf der Trampolinmembran ruht die Harnblase, die einem elastischen Gummiballon gleicht. Füllt sich die Harnblase mit Flüssigkeit, dann werden die Trampolinmembran und Federn zunehmend nach unten gedrückt.

Der Bereich der Blase, der von der Trampolinmembran getragen wird (Blasenboden), enthält Nervenendigungen, die durch Dehnung bei zunehmender Füllung gereizt werden. Die Signale werden dem Gehirn übermittelt, das auf diese Weise über die Füllung der Blase informiert wird. Ab einem bestimmten Füllungszustand gibt das Gehirn den Befehl zum Blase entleeren. Ist es für die Patientin in dem Moment nicht möglich, die Blase zu entleeren, zieht die Beckenbodenmuskulatur das Trampolin stramm. Der Blasenboden wird angehoben. Die Dehnung und damit die Reizung der Nervenendigungen nehmen ab und die Patientin hat nicht mehr den Drang, Wasserlassen zu müssen.

Dieser intelligente Mechanismus funktioniert nur dann, wenn alle Strukturen des Trampolins heil sind. Bei Überdehnung der Bänder oder der Membran, z.B. durch eine Geburt, oder bei zunehmendem Erschlaffen im Alter kann das Trampolin von den Beckenbodenmuskeln nicht mehr gespannt und damit der Blasenboden nicht mehr ausreichend angehoben werden. Membran oder Bänder hängen durch. Die Patientin verspürt schon bei geringer Blasenfüllung Harndrang gegen den sie nicht angehen kann. Abhängig davon, an welcher Stelle das Trampolin am stärksten geschädigt ist, treten weitere Beschwerden auf: Unkontrollierter Urin- oder Stuhlabgang, häufiges Wasserlassen am Tage und nachts, Blasenentleerungsstörungen mit Entzündungen, Rücken- oder Unterleibsschmerzen, Senkung der Gebärmutter oder Scheide. Voraussetzung für die Heilung ist eine individuelle Diagnostik.



Abbildung links:
So sieht der Beckenboden – in stilisierter Form – aus, wenn die Bänder und deren Elastizität einwandfrei sind. Die grünen Streifen stellen die gesunden, an der Unterseite der Blase befindlichen Dehnungsrezeptoren dar, die dem Gehirn melden: Blase ist leer.


Abbildung rechts:
Wenn die Elastizität der Bänder durch Beschädigung oder altersbedingt nachlässt, melden die Dehnungs-Rezeptoren permanent:
Die Blase ist gefüllt – unabhängig davon, wie der tatsächliche Füllungsgrad ist. Die Folge: Ständiger Harndrang, Inkontinenz.

Wenn man sich den komplizierten Aufbau der Beckenbodenarchitektur vor Augen hält, wird verständlich, dass der Defekt nur über eine genaue, auf die einzelne Patientin zugeschnittene Diagnostik gefunden und gezielt behandelt werden kann. Herkömmliche, auf dem alten Verständnis aufbauende Untersuchungsverfahren sind dafür nicht ausreichend geeignet.

Bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich mich von den neuartigen Behandlungsmöglichkeiten von Prof. Petros überzeugt habe, konnten auch wir den Patientinnen wenig Hoffnung auf einen langfristigen Erfolg machen. In intensiver Zusammenarbeit mit ihm habe ich die Methode weiter verfeinert und kann jetzt ein völlig neues, umfassendes Konzept zur Behandlung von Störungen im Blasen- und Beckenbodenbereich anbieten. Die Heilungsrate liegt je nach Art und Ausmaß der Schädigung bei 80 bis fast 100 Prozent.



Abbildung links:
Der Beckenboden (grün) im Querschnitt: Die Blase (blau) liegt unmittelbar auf dem elastischen Beckenboden.


Abbildung rechts:
Wenn die Elastizität der Bänder durch Beschädigung oder altersbedingt nachlässt (roter Pfeil), sorgt die auf dem Beckenboden ruhende Blase für einen permanenten Harndrang.

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