Prof. Dr. med. Goeschen beantwortet Ihre Fragen zu den Themen „Blasen- und Beckenprobleme”.
Was versteht man unter einer instabilen Blase?
Unter einer instabilen Blase versteht man einen Zustand, in dem die Blasenfunktion nicht mehr bewusst gesteuert werden kann. Die Folgen sind ständiger, quälender Harndrang tags und nachts, unkontrollierter Harnverlust, ständiger Gang zur Toilette, Blasenentleerungsstörung und Schmerzen beim Wasserlassen. Hiervon sind nicht nur ältere, sondern auch jüngere Frauen betroffen. Aufgrund pflegerischer Probleme werden viele der älteren Frauen in ein Alters- oder Pflegeheim abgeschoben.
80% aller Heim-Einweisungen in Deutschland erfolgen aus diesen Gründen. Im Heim wird dann schnell ein Blasenkatheter gelegt, was zu nachfolgenden Entzündungen und letztlich zum frühzeitigen Tod führt. Bisher gab es keine befriedigenden Möglichkeiten, diesen Frauen zu helfen. Wir haben Operationsverfahren entwickelt, die durch präzises Wiederherstellen der Anatomie in über 80% Heilung bringen. Überschüssiges Gewebe wird nicht weggeschnitten, sondern in Schichten übereinandergelegt. Geschädigte oder erschlaffte Bereiche des Beckenbodens werden gezielt verstärkt, geschädigte Ligamente durch künstliche Bänder ersetzt. Da viele der Patientinnen sich in einer höheren Altergruppe befinden, wurden Methoden entwickelt, die minimal-invasiv, nahezu unblutig (Schlüssellochtechnik) und wenig belastend sind. Da wir vaginal von kleinen Schnitten aus in Bereichen operieren, die keine Schmerznerven enthalten, können die Patientinnen rasch nach der Operation aufstehen, haben kaum Schmerzen, benötigen nur kurz einen Dauerkatheter, verbleiben nur wenige Tage im Krankenhaus und können rasch wieder ihrer Alltagsbeschäftigung nachgehen.
Wodurch unterscheidet sich unsere von den anderen Untersuchungs-Methoden?
Traditionelle Untersuchungsmethoden zeigen oft nicht an, welcher Teil des geschädigten Blasen-und Beckenbodenbereichs für die vorhandenen Beschwerden verantwortlich ist. Beim Petros/Goeschen-Verfahren wird zunächst genau ermittelt, welche Defekte im gesamten Beckenbereich, also vorne, in der Mitte und hinten, vorhanden sind. Mit speziellen Untersuchungs-techniken wird dann während der gynäkologischen Untersuchung überprüft, welchen Erfolg eine operative Korrektur im vorderen, mittleren oder hinteren Bereich bringt.
Worin unterscheidet sich die „Schlüsselloch”-Operation nach Petros/Goeschen bei unkontrolliertem Urinabgang von traditionellen Inkontinenzoperationen?
Bei traditionellen Operationen wird über einen Bauchschnitt von etwa 10 cm Länge der Blasenhals angehoben. Das geht oft mit erheblichen, postoperativen Schmerzen einher. Nach der Operation sind ein Dauerkatheter und ein Krankenhausaufenthalt von bis zu zwei Wochen notwendig. Es dauert mindestens sechs Wochen, bis die Patientin zu normalen Lebensbedingungen zurückkehren kann. Die von uns durchgeführte Operation erfolgt ohne Bauchschnitt von der Scheide aus mit kleinen Schnitten und ist nahezu unblutig. Alle geschädigten Bänder, die für die Inkontinenz verantwortlich sind, werden gestrafft oder durch künstliche ersetzt. Überschüssiges Gewebe wird nicht weggeschnitten, sondern in Schichten übereinander gelegt. Auch Patientinnen, die bereits erfolglos nach TVT-Methode operiert wurden, können wir oft mit unseren Eingriffen helfen.
Dadurch dass wir in Bereichen operieren, die wenig Schmerznerven enthalten. haben die Patientinnen nach der Operation kaum Schmerzen, benötigen keine Tamponade und nur für wenige Stunden einen Blasenkatheter, verbleiben nur 2-6 Tage im Krankenhaus und können nach wenigen Tagen wieder ins Alltagsleben zurückkehren.
Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus kann man wieder normale Tätigkeiten (Einkaufen, Hausarbeit, Autofahren etc.) verrichten und nach ca. 4 Wochen wieder arbeiten.
Andere Beschwerden, wie ständiger Harndrang, häufiges Wasserlassen bei Tag, häufiges Wasserlassen bei Nacht, Blasenentleerungsstörungen, undefinierbare Beckenboden-schmerzen, Stuhlinkontinenz und andere Darmprobleme können durch den Eingriff ebenfalls gebessert oder sogar geheilt werden.
Lässt sich diese Operationsmethode auch bei einer Scheidensenkung oder einem Vorfall der Gebärmutter und/oder Scheide anwenden?
Eine traditionelle Senkungs-Operation erfordert einen 10- bis 14-tägigen Krankenhausaufent-halt und das Legen eines Dauer- katheters, häufig auch einer Scheidentamponade. Die Zeit nach der Operation ist schmerzhaft. In aller Regel wird überdehntes Scheidengewebe und die Gebärmutter mitentfernt. Dadurch kann es später zu Blasenproblemen und Schmerzen beim Verkehr kommen.
Die Petros/Goeschen-Methode vermeidet das, indem überdehntes Scheidengewebe nicht mehr wie früher weggeschnitten, sondern in Schichten übereinandergelegt und die Wand dadurch verstärkt wird. Die Gebärmutter wird nur entfernt, wenn ein besonderer Grund vorliegt. Dadurch ist zumeist weder ein Dauerkatheter noch eine Scheidentamponade erforderlich. Der Krankenhausaufenthalt beträgt nur 4-6 Tage. Nach der Operation sind nur leichte Schmerzen zu erwarten. Die Patientinnen können kurz nach der Operation wieder aufstehen und nach ganz wenigen Tagen wieder in ihr gewohntes Alltagsleben zurückkehren.
Was ist nach der Operation zu beachten?
Für einen Zeitraum von 3 Monaten nach der Operation sollten Sie keine schweren Gegenstände heben oder stark belastende Tätigkeiten durchführen.
Wie hoch liegt die Erfolgrate bei unseren Operationen?
Jüngste Ergebnisse des KVINNO Centre Australien sind im International Journal of Urogy-naecology (1996, 1997) veröffentlicht. Danach wurden folgende Ergebnisse erreicht:
• Streßinkontinenz (Erfolgsrate: 91%)
• häufiges Wasserlassen bei Tag (Erfolgsrate: 85%)
• häufiges nächtliches Wasserlassen (Erfolgsrate: 80%)
• ständiger Harndrang (Erfolgsrate: 80%)
• Blasenentleerungsstörungen (Erfolgsrate: 50%)
Hatte meine Operation keinen Erfolg, wenn die Symptome wieder auftreten?
Nicht unbedingt. Die Bänder des Beckenbodens arbeiten wie Federn oder Stoßdämpfer. Wenn sie erneuert werden, kann sich nach der Operation der Druck im Unterleib auf andere Bereiche des Beckenbodens verlagern und bei schwachem Bindegewebe diesen Bereich schwächen. Dadurch können ähnliche Beschwerden wie vorher auftreten, die aber eine andere anatomische Ursache haben. Diese Veränderungen können durch einen Zweiteingriff korrigiert werden, da die Operationen minimal invasiv und schmerzarm sind.
Mit welchen Kosten muss ich rechnen?
Wenn Sie privat versichert sind, übernehmen die meisten Krankenkassen alles. Wir geben Ihnen vor einer eventuell notwendigen Operation einen Kostenvoranschlag, den Sie von Ihrer Krankenkasse überprüfen lassen.
Wenn Sie gesetzlich versichert sind, liegen die Kosten für eine ausführliche Untersuchung und Therapieempfehlung bei 80,- €. Die Gesamtkosten für eine Operation in der Eilenriedeklinik liegen bei 5000,- €
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